One Word Worth



@instanthuman

© Alles, was hier steht gehört mir, es sei denn, ich habe es anders gekennzeichnet. Wenn du das nicht respektierst, bekommst du auf die Fresse.

FUCKYEAHINTERNET

Ist viel cooler als OneWordWorth.

Entdeckung

Alleine saß er im Zimmer. Er wunderte sich. Wo war das Abenteuer hin? Das neue? Das, was man noch entdecken muss? 

Und dann wusste er es. Er war es. Er war das neue. Er und sein Leben und das war das, was er noch entdecken musste. 

Photos


Du bist also Photograph? Oh cool! Was photographierst du denn so? Oh ja Architektur. Und so Natur und so? Nice! Ne Digitale Spiegelreflex haste auch? Wow. Ja, kommt nämlich immer auch auf die Kamera an. Wenn die Kamera schlecht ist, wird auch das Bild nicht so gut, ist klar. Nee im Ernst, versteh ich vollkommen. Ist ja wie mit dem Stift. Wie? Achso ja also wenn ein Stift nicht 15€ kostet und das nur so ein billiger von Kaufhof ist, kannst du ja auch keine guten Bilder malen. So… weißte? Das Equipment muss schon stimmen. 

Oh cool, ein Portfolio hast du auch? Auf ner eigenen Website? Cool! Machste sowas auch? So Webdesignkram? Heftig! Gefällt mir! Also ja und das ist also so ein Flash-Photoalbum? Kann man so klicken und dann kommt ne coole Animation? Und dann das Bild? Okay, cool, schöne Bildtitel haste da. “Weinende Rose”. Passt gut, zum Tau auf den Blütenblättern von dieser… Du, ich glaub das ist ne Tulpe. Aber rot ist sie, haha ja. Und was ist das hier? “Industrieschlampe”. Ha! Wär ich jetzt nicht drauf gekommen, diese alte Druckermaschine so zu untertiteln. Aber cool! Ist so… progressiv. 

Schwarz-Weiss magste gern? Ja ich auch. Am liebsten so einsame Gegenstände, um deren Vergänglichkeit im sog der Zeit darzustellen? Wow ja. Das ist tiefsinnig. 

Light Graffiti! Wow! Das war mal ziemlich trendy, oder? Oh isses immernoch? Achso. Hab davon länger nichts gehört. Ich dachte immer, das probieren 14 jährige Mädchen aus, wenn die ne neue Kamera haben. Achso also ist das schon ernstzunehmen? Okay, cool. 

Ach und dann trefft ihr euch zu “Photosessions”? Habt ihr dann alle eure Kameras dabei? Und dann macht ihr Photos. Wow cool ja, das unterstreicht den social-Aspekt und so, jaja stimmt. Nee hört sich gut an. 

Wow ich seh grad, du machst das noch so dass du ein Bild praktisch… ich kenn mich da nicht so aus… Ja genau, in die Graustufen umwandelst, richtig, und dann so eine Farbe wieder reinmachst? Hier sinds rote Lippen. Wow cool. Da sieht man, dass dus schon ziemlich draufhast, so photoshop-technisch. 

Ist das deine Katze? Wie süß! 

So nachbearbeiten machste aber sonst nicht, ne? Jaa stimmt wohl, das pure Bild, das auf den Sensor fällt ist ehrlicher. Ja. Nee so ein schiefer Horizont spiegelt auch mehr so unsere Gesellschaft wieder. Und wenn da Staub auf der Linse ist, ist das auch nicht so wild. Wichtig sind ja auch eigentlich nur de Titel der Bilder. Hier sind noch ein Paar. “Abschied”. Und ein Koffer am Bahnhof. Ja krass, das erzählt ne Geschichte. Oder hier, “Konsumfuck” und das Kühlregal von EDEKA. Manmanman, bist ziemlich… so… links, ne? Also schon antikapitalistisch. Find ich gut. 

Du kreatives Monster, du! Hihi!

Melone

Sie überlegte sich, wie es wohl sei. Wenn sie einfach springen würde. Ob der Rasen ihren Fall dämpfen würde. Ob ihre Augen auf wären oder geschlossen, wenn sie die ersten Halme spüren würde, an ihrer Wange oder ihren Füßen, je nachdem, wie sie aufkommen würde. Ob sie, wenn mit den Beinen zuerst, die Knöchel brechen hören und vor Allem spüren würde oder ob das alles so schnell gehen würde, dass sie gar nichts merkte. 

Wenn sie jetzt einfach den Schritt machen würde. Vermutlich würde sie aus dieser Höhe nicht sterben. Vermutlich würde sie nur bewusstlos. Und dann nicht mehr aufwachen. Das heißt - wenn sie richtig springen würde, wäre sie bestimmt bald nicht mehr am leben. Aber wenn das jetzt unüberlegt passieren würde, sie geschupst werden würde oder so. Und ob das überhaupt einen Unterschied machen würde. Denn vielleicht war die Höhe doch tödlich. Es gab nur einen Weg, das rauszufinden. 

Sie ging in die Küche und holte die Melone aus dem Kühlschrank, die sie dort aufbewahrte. Für solche Fälle. Denn eigentlich mochte sie keine Melonen. Dass die viel Platz wegnehmen, das war ein notwendiges Opfer. Also warf sie die Melone, eine große Wassermelone, aus dem Fenster. Es dauerte eine Weile, bis sie unten aufkam und noch länger, bis sie etwa die Hälfte der Höhe wieder erreicht hatte. Wie ein Flummi. und dann davon die Hälfte. Nochmal, nochmal, nochmal und dann rollte sie ein paar Zentimeter. Die Melone musste faul gewesen sein. Normalerweise wäre die nämlich unten aufgeschlagen und in alle Richtungen hätte sich das ekelhafte Fruchtfleisch verteilt. Dass die Melone ein Flummi ist, das hatte sie nicht erwartet. Also natürlich war die Melone kein Flummi, das war schon eine ganz normale Melone. Aber sie verhielt sich so. 

Sie dachte noch einen Moment über die Sache nach. Das war schließlich alles ziemlich ungewöhnlich und zu viel für einen Abend. Sie legte sich schlafen. 

Es war etwa sieben, als jemand klingelte. Sie öffnete und da stand ein kleiner Junge. Die Melone war ungefähr doppelt so groß wie sein Kopf. “Hier!”, sagte er. “Die hast du verloren.” Sie nahm die Melone und packte sie zurück in den Kühlschrank. Man weiß ja nie, wann man sowas nochmal braucht.

30

Heute gibts nichts. Ich hab keine Lust und ich bin müde und überhaupt. 

Für Jutta

Wäre meine Heimatstadt eine alte Freundin und würde diese alte Freundin Jutta heißen und würde ich ihr im Helmut Schmidt’schen Alter einen Brief schreiben, dann ginge der ungefähr so:

Jutta, 

mensch, ist das lange her. Ich hatte so oft vor, dir zu schreiben. Dir alles zu sagen, alles zu erzählen. Immerhin haben wir uns 30 Jahre nicht gesehen. Ich wollte so oft, so gern hören, wie es dir geht. Wollte oft wissen, ob du noch so aussiehst wie damals. Ich erinnere mich so gut und gleichzeitig so schlecht, weiß ich doch, dass du dich bestimmt verändert hast. 

Ach, meine Jutta. Ich weiß, ich war damals ein Arschloch. Einfach so bin ich abgehauen, meinen Träumen hinterher, ohne dich zu fragen, ohne dir Zeit zu geben, mich an dich zu binden. Dabei hattest du genug Zeit, wenn ich mir das recht überlege und du bist selber schuld, dass du mich hast gehen lassen. 

Weißt du noch, als wir nächtelang auf Parkbänken saßen und einfach schwiegen? Du warst sehr verschwiegen und damals schon verdammt alt. Im guten und im schlechten Sinn. Du hattest Erfahrung, ja, warst aber auch ziemlich spießig, in manchen Dingen. Immer hast du mich ermahnt, meinen Müll nicht auf den Boden zu werfen. Du hast eben sehr auf äusserliches geachtet. Und dann warst du aber auch wieder so verdorben und so schlecht. 

Die Fassade stand immer. Du hast immer versucht, neue Leute kennen zu lernen. Versucht, dich hübsch zu machen, Menschen etwas zu bieten, aber so richtig funktioniert… Aber ach, das weißt du selbst am besten. 

Haha erinnerst du dich noch, als du versucht hast, mit aller Kraft intellektuell zu sein? Wir wissen beide, dass das nichts war. Aber man muss dir lassen, du hast durchgehalten. Theater, Kabarett, Varieté, alles hast du versucht. Nichts hat zu dir gepasst. 

Ich weiß noch, wie wir damals oft zusammen durch die zwei, drei Kneipen gezogen sind. Wir waren oft sehr betrunken und in einsamen Momenten warst du alles, was ich hatte. Ich hab oft am Fenster gestanden und den Himmel über uns angestarrt. Und ich glaube ich habe dir das nie gesagt, aber ich glaube, damals habe ich dich geliebt. Wir waren so vertraut. Ich kannte jeden Winkel deiner Seele, wusste, was Fassade war und wie du wirklich aussahst. Und du wusstest das gleiche von mir. 

Aber ich musste weg. Ich musste raus und du warst nicht in der Lage, mir das zu geben, was ich brauchte. Oft wollte ich zurückkehren. Ins vertraute. In deine warmen Arme, die ich so gut kannte, die mich vor allem bösen in der Welt beschützen konnten. Aber ich habe gemerkt, dass ich ganz gut ohne dich zurecht kam. Und ich wusste, dass du doch immer da gewesen wärst, für mich. Dass du mich immer wieder aufgenommen hättest, wenn ich dich gebraucht hätte. 

Sicher, du wärst vielleicht nicht mehr die selbe gewesen. Und du wärst mir fremd vorgekommen und ich dir. Aber wir beide wissen doch, dass wir immer verbunden sein werden. 

Wer weiß, vielleicht sehen wir uns wieder. Eines Tages. 

Ich weiß, dass du mir nicht antworten wirst. So bist du. Aber ich weiß eben auch - wenn ich dich brauche, wirst du da sein, liebe Jutta. So sind alte Freunde eben. Du wirst für mich da sein wie ich für dich. 

Lebe wohl, Jutta. Vielleicht bis in ein paar Jahren. 

Und manchmal, in einsamen Momenten… wenn ich darüber nachdenke, zu dir zurückzukommen, starren wir vielleicht beide den Himmel über uns an. Und wissen, dass der Eine für den Anderen immer da sein wird. 

Dein.

off topic: Gleichheit

Ich muss was über diese Sarrazin-Scheiße loswerden. 

Da kommt allen Ernstes irgendein Typ von der SPD an, die bei mir seit der Internetsperrengeschichte ohnehin verschissen hat bis in die Ewigkeit, und erzählt der hörenden Masse was von Genen und Erbintelligenz und nicht existierender Kultur im muslimischen Raum und kommt damit durch? Wird zitiert? Und Glaube geschenkt? 

Was ist passiert, mit diesem Land? Was ist da schief gelaufen? Warum fangen wir an so zu denken? Warum haben diese rassistischen Thesen ein Publikum? Waren wir nicht alle aufgeklärt, haben aus unseren Fehlern gelernt und fingen an, andere zu akzeptieren und über uns zu reflektieren?

Natürlich gibt es ein solches Gedankengut nicht erst seit Gestern und Sarrazin hat das nicht erfunden. Auch die Nazis haben das nicht erfunden. Und die davor. Und überhaupt. Aber wir leben 2010. Oder? 

Dass bei der Integration vielleicht grundsätzlich was falsch gelaufen ist. Keine Frage, darüber kann man diskutieren. Aber wir haben die Lust daran verloren. Wir wollen gar nicht mehr diskutieren, wir wollen Leute haben wie diesen Typen, die uns sagen, wovor wir Angst haben müssen. Die mit Statistiken daherkommen und uns was von Genen erzählen, da kennt sich eh niemand aus und das kann man dann glauben, ohne nachzufragen. 

Ich habe mir aus Selbstschutz die BILD-Berichterstattung in diesem Fall nicht gegeben, auch wenn ich Lust hätte, da jetzt Worte drüber zu verlieren. Aber ich habe dazu kein Recht, denn ich wüsste nicht, wovon ich rede und würde vorverurteilen und auf Annahmen hin Thesen zu den Fehlern der BILD aufstellen, weil das früher auch so war oder ich das im Kopf hab. 

Ist das so plausibel? 

Okay. Dann ersetzen wir “Ich” durch “Sarrazin” und “BILD” durch “Islam”. 

Wir sind ein Land der dummen geworden. Wir wollen Familien im Brennpunkt sehen. Und kreieren uns im TV eine Jugend, die repräsentierend steht für alle, die “U20” sind. Der dumme Deutsche nimmt das so hin, lästert über diese verrohten Jugendlichen und erkennt sich selbst wieder, wenn er Harry, 55, Alkoholiker und Arbeitsloser auf der Sperrmüllcouch um 16:00 auf RTL sieht und denkt sich “Ich bin nicht allein”.

Statt an solchen Problemfällen zu arbeiten aber, wird ihnen ein Forum geboten. Das gemeinhin Asoziale ist normal geworden, Alkoholiker sind wir eh alle, arbeitslos doch auch und überhaupt, 55, wir werden alle älter. 

Wir können das sehen, jeden Tag im TV. Und das ist das Problem. 

Während man am Anfang noch dachte, dass es sich dabei um Ausnahmefälle der Gesellschaft handelt, wird der “We Are Family”-Assi normal gemacht. Idioten für die Idioten, nicht, um ihnen zu denken zu geben, sondern damit sie sich wiedererkennen. Wie gesagt. 

Und weil wir uns gerne wiedererkennen, statt an uns zu arbeiten, statt Probleme anzugehen, sie lieber pseudo-anschneiden, leidenschaftlich und stammtischhaft darüber diskutieren (“stammtischhaft diskutieren” und “diskutieren” ist nicht das selbe, deswegen kann ich oben sagen, dass wir nicht mehr diskutieren, und hier, dass wir stammtischhaft diskutieren.), kann ein Sarrazin mit seinen Thesen Menschen erreichen, die sagen “Na wenigstens sagt da jetzt mal einer von oben die Wahrheit! Hab ich doch schon seit Jahren so gesehen”.

Ja, vielleicht pauschalisiere ich jetzt auch. Und mache damit den gleiche Fehler. Aber um solche Ideen verbreiten zu können, braucht es fruchtbaren Boden. Und der ist da. Da hat das Privatfernsehen ganze Arbeit geleistet, wenn Mandy einen Ali mit nach Hause bringt und Papa ausrastet. Da hat BILD ganze Arbeit geleistet, wenn sie Bilder und Namen von ehemaligen Häftlingen abdruckt und damit Menschen, die resozialisiert sind, so ist unser System, im Nachhinein an den Pranger stellt und Angst macht. 

Wir sind alle nur das Ergebnis von uns allen. 

Dann kann ein Populist Salz in die Wunde streuen und uns wunderbar ablenken, von den Problemen die wir selbst haben. 

Wir werden nicht dümmer, weil wir Immigranten haben, die keine Kultur mitbringen und wenn doch ist das auch falsch. Wir werden dümmer, weil wir das wollen. Weil es uns Spaß macht, dümmer zu werden. Offensichtlich. 

Und deswegen kann in Schleswig-Holstein eine Regierung regieren, die nicht regieren darf. Deswegen kann man milliarden verzocken, ohne belangt zu werden. Deswegen darf man ohne Beweise Bomben werfen und Kinder töten. Deswegen darf man für Pakistan nicht spenden, weil da die Taliban wohnen. 

Und keiner tut was. Wir lassen das mit uns machen. Und jetzt würde ich gerne kotzen.

Auslöser für diesen Impulsartikel war das hier

Wesentlich

Du musst dich konzentrieren. Auf das Wesentliche. 

Du musst es genießen. Das Wesentliche. 

Du musst es zu schätzen wissen. Das Wesentliche. 

Eine Zigarette zu rauchen, am Fenster stehend. Das Geräusch, wenn das Rad auf dem Feuerstein schürft. Die bellenden Hunde in der Wohnung nebenan. Und den tiefen Bass des Liedes, das läuft, während du das einzige Bier für heute Abend öffnest.

Wie deine Beine funktionieren, wenn du gehst. Und du das erste Mal nach dem Sommer bemerkst, dass du Handschuhe vermisst.

Konzentrier dich auf das Wasser, das du schluckst und den Geruch der Seife. Genieß das Licht.

Denk anders. Weil du dann weißt, was wichtig ist. 

Die Kälte an deinen Fingerspitzen, wenn du das einzige Bier an diesem Abend trinkst und wie sich die Tasten anfühlen. Und die Gitarre, bei dem Lied, das läuft, während zu trinkst. 

Sei dankbar. Für alles, was dich traurig macht. Weil du dann weißt, was dich glücklich macht. 

Sei glücklich, weil du es sein kannst. 

Und konzentrier dich auf das Wesentliche. Und genieß das Wesentliche. Und fang an, das Wesentliche zu schätzen. 

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